22. März 1945: Kriegsende in Mutterstadt

Veröffentlicht am 17.04.2020 in Kommunales

 

22. März 1945:    In Mutterstadt ist der Krieg zu Ende

Ein Beitrag von Volker Schläfer. im März 2020

 

 

Siehe auch den Link zu einem

Artikel von Michael Hemberger im Wochenblatt-Reporter

 

https://www.wochenblatt-reporter.de/mutterstadt/c-lokales/22-maerz-1945-in-mutterstadt-ist-der-krieg-zu-ende_a187807

 

 

 

     

        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Textbeitrag von Volker Schläfer. im März 2020

22. März 1945:    In Mutterstadt ist der Krieg zu Ende

Mit dem Einmarsch der US-Truppen in die Pfalz endete im März 1945 auch in Mutterstadt der 2. Weltkrieg und damit die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Der Krieg und die NS-Diktatur forderten in Mutterstadt 417 Kriegs- und Zivilopfer.

Auch die SPD, und ihre Mitglieder, hatten besonders unter der Gewaltherrschaft des 3. Reiches zu leiden: Verbot der Partei, Verfolgung der Mitglieder mit Schutzhaft, und Konzentrationslager, Denunzierungen, Verlust des Arbeitsplatzes; das sind nur einige Beispiele, die auch Genossinnen und Genossen aus Mutterstadt in den Jahren nach 1933 wg ihrer politischen Überzeugung erleiden mussten. 

Rückblick: Vor 75 Jahren kehrte der Krieg, den Nazi-Deutschland nach ganz Europa getragen hatte, nach Deutschland zurück. Der ungleiche Kampf war aussichtslos geworden, den Zusammenbruch des 3. Reiches konnten auch letzte verzweifelte Anstrengungen nicht mehr aufhalten, trotzdem wurde er, und damit mit weiteren Opfern, fortgesetzt. Hier die Amerikaner mit einer bestens ausgerüsteten Armee auf ihrem Vormarsch vom Westen kommend durch die Pfalz; auf deutscher Seite der verzweifelte Versuch, mit den letzten Reserven die US-Truppen am Rhein aufzuhalten. Dafür legte die Wehrmacht mit dem Volkssturm und Fremdarbeitern am Waldrand Erdbefestigungen an und baute, vom Forsthaus aus in Richtung Norden bis an den Fußgönheimer Weg, Panzergraben aus.  An den Ortseingängen wurden Panzersperren errichtet. Den Ort wollten deutsche Panzer und Kampftrupps mit Panzerfäusten verteidigen. Im Laufe des 21. März 1945 rückten Truppen der 12. US-Panzerdivision aus Richtung Fußgönheim und Ruchheim kommend, auf Mutterstadt zu. Über Funk kam die Drohung, Mutterstadt beim geringsten Widerstand dem Erdboden gleichzumachen. Viele Zivilisten flohen auf Grund der bedrohlichen Lage in Nachbardörfer. Nach Schließung der Panzersperren begannen die Amerikaner mit massivem Artilleriebeschuss, der auf deutscher Seite nochmals fünf Tote und zahlreiche Verletzte forderte sowie erhebliche Gebäudeschäden verursachte. Die deutschen Soldaten, die den Ort verteidigen wollten, ließen sich durch einsichtige Bürger aber dann dazu bewegen, „das Feld zu räumen“; so konnte das schlimmste noch abgewendet werden. Am Abend erreichten die US-Truppen dann den Ortsrand und rückten gegen 21 Uhr  mit Infanterie und Panzern an den von Mutterstadter Frauen beseitigten Panzersperren vorbei in den Ort ein. Weil die Amerikaner nicht wissen konnten, dass es keinen Widerstand mehr gab, beschossen sie aber bei ihrem Vorrücken Straßen, Häuser, Höfe; der Gebäudeschaden war erheblich.

In der Nacht des 22. März 1945 begrüßten Mutterstadter Einwohner die US-Truppen mit weißen Tüchern. Der Krieg und die Nazizeit war vorbei.

Nach der vollständigen Einnahme des Orts durch die US-Armee erfolgte deren Truppeneinquartierung in die Häuser. Bei den Requisitionen hatten die Menschen, die ihre Wohnungen dafür räumen mussten, in der  Regel nur bis zu zwei Stunden Zeit, um das wichtigste zusammenzupacken und irgendwo anders unterzukommen. Persönliche Gegenstände, Möbel, oder Gebrauchsgegenstände verblieben zur Verfügung der Sieger in den Gebäuden. 

Wer an diesen Tagen des Kriegsendes als „Ortschef“ fungierte, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen: Einmal heißt es, dass der geschäftsführende Bürgermeister August Steiger noch im Amt war, in anderen Unterlagen ist zu lesen, dass er zwei Tage vor dem US-Einmarsch aus dem Gemeindedienst ausgeschieden ist und der Beigeordnete Otto Steiger die Amtsgeschäfte führte. Beide gehörten in jedem Falle zu den führenden, aktiven örtlichen NSDAP-Funktionären und waren so für die Sieger untragbar. 

Am 24. März setzten die Amerikaner deshalb einen „unbelasteten“ Bürger als Bürgermeister ein: Es war der damals 60jährige Heinrich Hartmann, SPD-Mitglied und bis 1933 Schriftleiter der „Pfälzischen Post“.

Eine schwierige Angelegenheit war in diesen Tagen die Unterbringung von fast 1.000 Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen; dafür wurde (fast) die ganze Schulstraße geräumt. Die Wohnungsnot, die Beseitigung der Kriegsschäden an den Häusern, die Versorgung der Einwohner mit Lebensmitteln; das waren auch in Mutterstadt  die vordringlichsten Themen in den ersten Monaten nach diesem Kriegsende 1945.

Heinrich Hartmann, der mit seiner Frau die Gaststätte „Zur Linde“ führte, war von 1946 bis 1947 auch SPD-Ortsvereinsvorsitzender. Er leitete auch im Oktober 1946 die erste Gemeinderatssitzung nach dem Kriege; die SPD war, neben Heinrich Hartmann, mit Ludwig Kaufmann, Wilhelm Schott, Friedrich Börstler, Wilhelm Langenwalter, Otto Reimer, Martin Schwind und Anna Schalk im Gemeinderat vertreten. Bürgermeister blieb Heinrich Hartmann bis Februar 1949.

TEXT:     Volker Schläfer. im März 2020

 

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